Kaltherz, Irmgard Schürgers - UniScripta Verlag, edition ullrich

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Kaltherz, Irmgard Schürgers

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Inhalt

Warum musste Lothar Meyer sterben? An einem eiskalten Februarmorgen wird er tot vor seinem Wohnheim in Frankfurt-Sachsenhausen aufgefunden. Er sitzt draußen an die Hauswand gelehnt in einer viel zu dünnen Jacke, gerade so als warte er auf jemanden. Alles deutet auf Tod durch Erfrieren hin. Aber es ist kein Unfall, und das Wohnheim ist kein gewöhnliches Wohnheim. Lothar Meyer war geistig
behindert.
Katja Lehmann, die ermittelnde Kommissarin, sieht sich mit einem Fall konfrontiert, bei dem ihr die gewohnte Routine nicht weiterhilft. Nur langsam lernt sie, sich in die Welt der Behinderten hineinzuver- setzen und ihre Sprache zu verstehen. Je mehr sie sich mit dem Fall befasst, umso mehr Ungereimtheiten fallen ihr auf. Erst ein weiterer Todesfall, der sie in eine völlig andere Szene von Frankfurt führt, bringt die Kommissarin auf die richtige Spur.
Ein Krimi, der auf einfühlsame und spannende Weise außergewöhnliche Orte und Milieus der Mainmetropole zeigt.

Leseprobe

Das Telefon hatte schon mehrmals geläutet. Gertrud Wagner saß auf der Couch. Sie trank noch einen Schluck Bier und stierte auf die leere Wodkaflasche. Die Katzen lagen faul auf dem Sofa und hinterließen weitere Fellnester auf dem abgeschabten Möbelstück. Sie musste sich endlich aufraffen, sie musste ins Wohnheim. Eigentlich liebte sie ihre Arbeit, aber seitdem er ständig spioniert und ihr gedroht hatte, war sie ihr vergällt. Dieser ganze Schlamassel. Sie musste vorsichtig sein. Sie ging ins Bad, putzte sich die Zähne, fuhr sich über das strähnige Haar, lief rastlos zurück ins Wohnzimmer, dann in die Küche. Sie sackte auf dem Küchenstuhl zusammen. Vielleicht ein Kaffee, dachte sie, du musst dich zusammennehmen, sie warten auf dich, jetzt nur nicht schlappmachen. Sie stellte den Wasserkocher an und brühte sich einen Nescafé auf. Hektisch stürzte sie sich auf die Tasse und verbrannte sich den Mund. Sie fluchte, stellte den Kaffe zurück und beschloss dann endgültig, sich auf den Weg ins Wohnheim zu machen. Im Flur neigte sie lauschend den Kopf zur Kellertreppe, aber alles war ruhig. Sie musste endlich losfahren.
Im Auto konnte sie sich nicht konzentrieren. Sie war müde, ihr Kopf fühlte sich an, als wäre er voller Watte. Und jetzt auch noch diese elende Kommissarin, die in allem herumstocherte. Konnte sie nicht alles auf sich beruhen lassen? Ihre Hände zitterten, vielleicht doch noch einen Schluck Alkohol? Sie beugte sich zum Nebensitz, kramte fahrig in ihrer Tasche. Es krachte und alles versank in Dunkelheit.


 
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